Moral Hazard ist ein Schlüsselbegriff zum Verständnis der gegenwärtigen und zukünftigen Staatsverschuldung.

Eine wörtliche Übersetzung wäre “Hasadeurspiel mit der (Schulden-) Moral der Anderen”, eine freie“Förderung des Leichtsinns”. Damit ist gemeint: Die von der Europäischen Zentralbank eingeleitete Geldschwemme verführt die Finanzminister zu noch mehr Schulden.
Moral Hazard beschreibt einen psychologischen Sekundäreffekt, die unerwünschte Folge einer gut gemeinten solidarischen Aktion. In der Volkswirtschaftslehre ist dieser Begriff seit Jahrzehnten bekannt, in der Öffentlichkeit kaum. Man muss sich in die Lage etwa des italienischen oder spanischen Finanzministers versetzen: Warum soll er energisch sparen? Es droht eine Deflationsspirale nach griechischem Muster: Entlassungen, Verringerung der Kaufkraft, Sinken der Nachfrage, Unternehmenskonkurse, noch mehr Entlassungen… Am Ende kommt es zu sozialen Unruhen. Da ist es wesentlich einfacher, die Europäische Zentralbank gibt den Banken Darlehen, damit diese dem Staat Darlehen geben. Damit wird zwar die Geldmenge aufgebläht und eine Inflation herbeigeführt, aber nicht sofort, und die Inflation trifft alle Euro-Staaten.
Das gleiche gilt für all die Rettungsschirme, Riesen-Fonds und Schuldenschnitte der letzten zwei Jahre: Wenn schon das kleine Griechenland “too big to fail”, also zu groß ist, um es zahlungsunfähig werden zu lassen, können Spanien und Italien erst recht darauf vertrauen, dass die nördlichen Länder eingreifen werden.
Die Hilfen fördern eine Art Vollkasko-Mentalität für Finanzminister. Das Insolvenzrisiko wird (für eine Weile) von dem Land genommen, doch damit senkt man die Sparanreize, die Schulden steigen weiter. Das paradoxe Ergebnis: Durch die Billionen-Kredite und -Bürgschaften wird das Problem Staatsverschuldung für ein paar Wochen, ein paar Monate vertagt, aber über die Jahre verschärft. Hinzu kommt die Inflationsgefahr.
Quelle: staatsverschuldung.de