
Die Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Gertrud Höhler rechnet mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ab. In der Vergangenheit war Höhler Beraterin von Helmut Kohl, mit dessen Nachfolgerin Angela Merkel geht sie hart ins Gericht.
In ihrem neuen Buch “Die Patin: Wie Angela Merkel Deutschland umbaut” warnt sie vor einem gefährlichen Wandlungsprozess. Die Kanzlerin handle “leidenschaftslos und wertneutral”, während sie die Bundestagsparteien zu einer “Quasi-Einheitspartei” forme. “Merkel agiert als politische Heuschrecke”, schreibt Höhler, und wolle als “Kanzlerin aller Parteien” nun auch “Kanzlerin aller Europäer” werden.
Den Grund des Handelns von Merkel sieht Höhler in der DDR. Sie beschreibt, wie das Parlament “immer öfter übergangen wird” oder stattdessen “All-Parteien-Entscheidungen” als “Quasi-Einheitspartei” trifft. Den Grund sieht Höhler auch in der Person Merkel. Angela Merkel breche Gesetze und mache das Recht unsicherer. Weil Merkel in der DDR gelernt habe, zwischen den Zeilen zu lesen und sprechen, sei sie bis heute “schwer zu entschlüsseln”.
Deutschland sieht Höhler auf dem Weg in eine Diktatur: “Staaten, in denen der Wettbewerb nur vorgetäuscht wird, in denen regelmäßig sehr hohe Mehrheiten für die Projekte der Regierung gemeldet werden, nennen wir totalitäre Systeme oder Unrechtsstaaten. Die Regierung Merkel hat den Pfad der Demokratie verlassen. Wir haben immer mehr Staat und immer weniger Macht des Parlaments, und mit dem Rettungsschirm ESM herrscht ein korruptes Begünstigungssystem”.
Auch die Energiewende und die “Modernisierung” der CDU haben es der Beraterin für Wirtschaft und Politik angetan. Sie beklagt den “staatlichen Griff nach der Energiewirtschaft” und während die CDU einen Niedergang erlebe, schreibt Höhler, weite “Merkel ihre Macht undercover” aus: „Wer sich autoritäre Herrschaft als ein Lautsprechersystem vorstellt, lernt von der schweigenden Kanzlerin.”
Die vielfach ausgezeichnete Trägerin des Bundesverdienstkreuzes geht noch weiter. „Das System M etabliert eine leise Variante autoritärer Machtentfaltung, die Deutschland so noch nicht kannte. Die Diktaturen des zwanzigsten Jahrhunderts boten andere Erfahrungen, was den politischen Stil angeht – obwohl die Anklänge nicht zu leugnen sind: die Marginalisierung der Parteien, der Themenmix aus enteigneten Kernbotschaften anderer Lager in der Hand der Regentin; ihre Nonchalance im Umgang mit dem Parlament, mit Verfassungsgarantien, Rechtsnormen und ethischen Standards.“
Im Wesentlichen besteht Höhlers Kritik aus drei Punkten:
1. Merkel geht es um den Machterhalt. Ihrem Streben, an der Regierung zu bleiben, ordnet sie alles andere unter.
2. Merkel hat kein Wertegerüst und keine Grundsätze.
3. Merkel meuchelt ihre Konkurrenten.
Ob Höhler auch eine persönliche Abrechnung vorgelegt hat, weil sie, nachdem sie Beraterin von Helmut Kohl und sogar als Ministerpräsidentin im Gespräch gewesen war, von Merkel auf die kalte Bank gesetzt wurde, bleibt Spekulation. Mit ihrem neuen Buch, das am 24. August erschienen ist, dürfte sie jedenfalls endgültig in Ungnade gefallen sein.

Gertrud Höhler: Die Patin - Wie Angela Merkel Deutschland umbaut
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