
Die CSU hat auf ihrem Parteitag in Nürnberg am 19. Oktober die Euro-Rettungspolitik gelobt und sich damit von voriger Kritik am Kurs der Kanzlerin distanziert. In den vergangenen Monaten gab es teils heftige Kritik an Merkels Rettungskurs aus Reihen der CSU. Generalsekretär Alexander Dobrindt und Bayerns Finanzminister Markus Söder forderten einen raschen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone und schlugen scharfe Töne an. Davon will man heute nichts mehr wissen.
Bekenntnis zur Euro-Rettung
Die Kanzlerin liege “goldrichtig”, sagte Parteichef Seehofer. Auch Dobrindt und Söder gaben auf dem Parteitag keine kritische Haltung mehr zu erkennen. Sogar weitere Hilfen für Griechenland kann sich die CSU jetzt plötzlich vorstellen. Die Delegierten votierten einstimmig für einen extrem moderaten Leitantrag zur Europapolitik. Selbst der als Euro-Rebell geltende Peter Gauweiler sprach sich für die Annahme des Antrags aus und hob die Hand zum Ja.
“CSU ist schnurrender Kater der CDU”
Beobachter fragten sich angesichts des deutlichen Wandels, was die CSU hier so verändert hat. Die vermutete Antwort: man weiß, dass die Kanzlerin im kommenden Wahlkampfjahr im Mittelpunkt stehen wird, bei hohen Beliebtheitswerten. “Deine Beliebtheitswerte liegen in Bayern bei 55 Prozent, liebe Angela, über denen der CSU”, schwärmte Seehofer auf der Bühne unter großem Applaus. Weiter sagte er, es gäbe Meldungen, die CSU sei ein schnurrender Kater der CDU geworden, ein umgängliches Haustier, und diesen Eindruck wolle er auch gar nicht stören. Gastrednerin Merkel schwor die Union derweil schon mal auf Geschlossenheit im Wahljahr 2013 ein: “Wenn es darauf ankommt, halten wir zusammen.”
Von einer Kritik an der Euro-Rettungspolitik in Reihen der CSU will Seehofer folglich nichts mehr wissen, stattdessen möchte er den als Lügner und Fälscher entlarvten Dissertationsexperten Guttenberg “in verantwortungsvoller Position” zurück in die Politik holen. Die CSU ist offenbar tatsächlich der schnurrende Kater der CDU, aber er schnurrt opportunistisch und verlogen.