
Viktor Orban hat sich zum ungarischen Nationalfeiertag gegen Bevormundung durch die EU ausgesprochen. Außerdem warf er der EU vor, sie wolle “betrügerischen Finanzkapitalismus” auf Kosten der Bürger.
Ungarns Premier Viktor Orban hat sich zum Nationalfeiertag am 23. Oktober - der dem ungarischen Aufstand gegen das kommunistische Regime im Jahr 1956 gedenkt - gegen Fremdherrschaft und Bevormundung durch die EU ausgesprochen. Auf einer von etwa 150.000 Teilnehmern besuchten Kundgebung schlug er auf dem Kossuth-Platz in Budapest einen Bogen vom durch die Sowjet-Union blutig niedergeschlagenen Aufstand zur gewachsenen politischen Macht in Brüssel und schloss mit dem Plädoyer: ”Nicht andere mögen uns sagen, was wir zu tun haben. Auch mit verfeinerten Methoden werden uns Fremde nicht regieren”.
Warnung vor neuer Sowjetunion
Ein Regierungsvertreter warnte angesichts europäischer Entwicklungen vor der Gefahr einer “neuen Sowjet-Union” und Orban sagte, Ungarn werde gegenüber Brüssel “nicht einen Jota von seinem Kurs abweichen”. Die EU behandle Ungarn “nicht mit dem nötigen Respekt”, man werde sich von Außen jedoch keine Regeln vorschreiben lassen. Offenen und verdeckten Einmischungen der EU-Kommission erteilte er eine Absage.
Orban: Brüssel bevorzugt die Spekulanten
Zur europäischen Finanzkrise sagte Orban: “Ungarn ist 1956 den Weg der Wahrheit gegangen. Jene, die diesen Weg nicht mitgingen, wurden erst 1989 gestürzt. Und schließlich, 2008, brach auch die imperiale Weltmacht, basierend auf Schulden, zusammen.” Weiter sagte er: “In Brüssel wollen nun viele dem betrügerischen Finanzkapitalismus neues Leben einhauchen. Sie bevorzugen die Spekulanten, sie wollen, dass das Volk die Last trägt, doch wir akzeptieren das nicht”. Er wolle nicht, dass Ungarn die Bürden dieser “Krise der Anderen” tragen müsse und man werde auch “keine Doppelstandards” akzeptieren. Mit Blick auf die Krise und die Zukunftsvision eines zentralistischen Europas ohne moralisches Wertefundament, müsse die EU endlich verstehen, dass sie “ohne Nationen kein Herz und ohne Christentum keine Seele” habe.
Friedensmarsch gegen Schuldensklaverei
Die Kundgebung wurde von einem Friedensmarsch unter dem Motto “Wir wollen keine Schuldensklaven sein!” begleitet, an dem laut Regierungsangaben insgesamt bis zu 400.000 Menschen teilnahmen. Die sozialistische Opposition organisierte ebenfalls eine Kundgebung mit mindestens 50.000 Teilnehmern, welche als Anti-Orban-Demonstration auftrat. Darauf kündigte der durch Orban 2010 abgelöste Ex-Premier Bajnai seine Rückkehr in die Politik an - er gilt als möglicher Kandidat für die Wahlen 2014.